6. März 2011
Abenteuertage
Sachsenlandhalle Glauchau
Ich lausche mit meinem Mann und unseren Kindern fasziniert den Geschichten eines Weltenbummlers.
Tilmann Waldthaler – Mit seinem Fahrrad hat er in den letzten mehr als 30 Jahren über 500.000 km in 143 Länder erkundet.
Unsere Kinder verfolgen mit großen Augen, mucksmäuschenstill auf der riesigen Leinwand die Bilder aus fernen Ländern.
Ich bin tief beeindruckt von der Neugierde auf fremde Kulturen, seinem Mut alleine unterwegs zu sein und der Willensstärke für diese körperliche Anstrengung.
15 MINUTEN PAUSE.
Meine Kinder rennen zur Bühne und turnen auf ihr herum.
Die beiden etwa gleich alten Kinder neben uns folgen.
Sie haben Spaß.
Weg sind sie.
Mein Mann holt Getränke.
„Eigentlich sind wir hier, um im Rahmenprogramm Geocaching auszuprobieren.
Wir wollen lernen wie das geht, um mit unseren Kindern auf Schatzsuche zu gehen.“
Ich komme mit der Mama der beiden fremden Kinder neben mir ins Gespräch.
„Ich weiß wie das funktioniert.
Wir machen das auch seit ein paar Wochen.
Das Schatzkisten suchen macht riesigen Spaß.
Ich kann euch auch zeigen wie das geht.“
antwortet sie sehr sympathisch.
Welch ein Zufall.
Die verbleibenden 10 Minuten der Pause höre ich Fremdwörter wie:
– GPS Gerät
– Muggel
– Multi
– Final
– Hint
– Owner
– Spoiler
– Travel Bug
Ich bin überfordert.
Ich hatte mir das einfacher vorgestellt.
Wir tauschen Telefonnummern.
Mein Mann kommt mit 3 Limonaden und einem Bier.
Unsere Kinder finden den Weg zurück auf ihre Sitzplätze.
Tilmann Waldthaler berichtet weiter über Fahrradpannen und eine Dose Cola irgendwo im Nirgendwo.
Mein Telefon klingelt.
Samstag Abend.
21:30 Uhr.
„Anja hier. Wir saßen heute nebeneinander in der Sachsenlandhalle. Ich habe eine Cache-Tour herausgesucht.“
Wir verabreden uns für den nächsten Morgen zur gemeinsamen ersten Geochacherrunde.
15 JAHRE SPÄTER.
Anja und ich sind unterwegs in einem Dorf in Oberfranken.
Auf dem Jakobsweg dient uns heute Nacht das Pilgerzimmer im ehemaligen Pferdestall als Obdach.
21.30 Uhr
Wir genießen im Biergarten einer Pizzeria, unter einer großen alten Linde, den lauen Sommerabend.
Pizza Capricciosa und Tinto de Verano stärken nach der Anstrengung des Tages.
99,2 km zeigt das Display unserer Tourenaufzeichnung.
Es fehlen uns 800 Meter, um die 100 km Grenze zu überspringen.
Jedes Jahr „Eine Woche – 100 km“ gemeinsam pilgern.
„Komm. Die 800 Meter machen wir heute noch.“ bin ich, so frisch gestärkt, motiviert.
„Hier gibt´s einen Geocache Adventure Lab.“ Anja ist sofort Feuer & Flamme.
„Wie bitte? Was? Ich verstehe nur Bahnhof!“ schau ich sie fragend an.
Déjà-vu.
Ich fühle mich, als würde mich eine Zeitmaschine, zurück an den Samstagabend vor 15 Jahren beamen.
Wir ziehen wieder gemeinsam los.
Lösen zusammen die Rätsel der einzelnen Stationen, um uns am Ende über das Final und den erfolgreichen Log-Eintrag zu freuen.
Es gibt keinen Zufall.
Es fällt zu was fällig ist.
Zwischen diesen 15 Minuten & 15 Jahren liegt eine gewachsene innige Freundschaft.
Heute stehen wir gemeinsam auf der Bühne.
In der Kirchberger Kulturinsel.
Wir berichten von unseren Begegnungen mit Menschen auf dem Jakobsweg.
Unserem Mut darauf zu vertrauen, dass uns der Weg alles gibt was wir brauchen.
Und der Willensstärke, jedes Jahr 1 Woche lang mindestens 100 km am Stück zu laufen.
Man kann das Leben nur vorwärts leben und rückwärts verstehen.
Lieben Dank Tilmann, für den imPuls mit deinem Reisevortrag vor 15 Jahren.
Juli 2026